Hitlers Fotograf Heinrich Hoffmann

Feb. 06, 2026 at 13:28 141

Die meisten Menschen kennen einige seiner Fotografien, ohne zu wissen, von wem sie stammen. Heinrich Hoffmann (1885-1957) war Hitlers Fotograf. Laut seinem Biografen Sebastian Peters (*1991), Historiker und Kurator für die Dokumentation Obersalzberg am Institut für Zeitgeschichte München–Berlin, lernte Heinrich Hoffmann den Führer bereits 1920 kennen. Am 6. April jenes Jahres trat er als Mitglied Nummer 925 der NSDAP bei – aufgrund der künstlich erhöhten Mitgliederzählung faktisch Mitglied Nummer 425, so Sebastian Peters. Hoffmann kam nicht wie in seinen deutschen Memoiren behauptet 1923 über die Fotografie zur Partei, sondern trat schon zuvor in die NSDAP ein. In der englischen Version seiner Memoiren gab er den Parteieintritt 1920 auch zu. Heinrich Hoffmann war bereits Verleger eines antisemitischen Bildbandes und hatte schon Verbindungen ins völkische Milieu, insbesondere zum Publizisten und Verleger Dietrich Eckart, als er zur NSDAP kam. Seine Tätigkeit als Fotograf für die Partei folgte erst danach.

Sebastian Peters: Hitlers Fotograf Heinrich Hoffmann. Eine Biografie. Wallstein Verlag, 2025, 624 Seiten mit 77 Abbildungen, gebunden, Schutzumschlag, 15,5 x 23 cm. ISBN 978-3-8353-5828-7. Cookies akzeptieren – wir erhalten eine Kommission bei unverändertem Preis – und die Biografie bestellen bei Amazon.de. Die Biografie stützt sich auf die Dissertation des Autors, die dieser 2021 in München abschloss.

Heinrich Hoffmann hatte als Porträt- und Pressefotograf mit einem kleinen Atelier in der Münchner Maxvorstadt bescheiden begonnen, stieg Dank der NSDAP und Hitler zum Grossverleger und Multimillionär auf. Sein Unternehmen prägte die Bildwelten des Nationalsozialismus auf entscheidende Weise und beschäftigte auf dem Höhepunkt mehrere hundert Angestellte, machte zuletzt über 15 Millionen Reichsmark jährlichen Umsatz.

Laut Sebastian Peters war Heinrich Hoffmann als Fotograf von 1933 bis 1945 in der einzigartigen Stellung, Adolf Hitler mit der Kamera dorthin folgen zu können, wo sonst nur engste politische und persönliche Vertraute Zugang hatten, aber kaum ein Pressefotograf. Er war Fotograf und Vertrauter gleichermassen.

Während viele Weggefährten Hitlers über die Jahre in Ungnade fielen oder sich vom Diktator entfremdeten, war Hoffmann laut seinem Biografen der einzige, der fast ein Vierteljahrhundert an Hitlers Seite verbrachte und fotografierte. Sein Unternehmen expandierte zur Bildfabrik des »Dritten Reichs«. Mit Hunderttausenden Propagandafotos schuf es den schönen Schein, der nicht zuletzt die brutale Gewalt des Regimes vertuschen sollte. Der Fotograf wurde so selbst zum einflussreichen Propagandisten.

Zudem trug er an verschiedenen Stellen zur Umsetzung der NS-Kulturpolitik bei, genau wie er die Karrieren einzelner Künstlerinnen und Künstler entscheidend stützte. Es war auch Heinrich Hoffmann, der die Kontakte Hitlers zu seiner Geliebten Eva Braun und zu seinem Leibarzt Theo Morell herstellte.

Erst mit der deutschen Niederlage ging das Imperium des selbsternannten »Reichsbildberichterstatters« unter. Doch seine Propaganda-Fotos wirken bis heute nach, so sein Biograf.

Noch ein kurzes Wort zu den Quellen, unter denen die Fotografien einen zentralen Platz einnehmen. Sebastian Peters schreibt, dass der grösste Quellenbestand zu Heinrich Hoffmann in Form von Fotografien überliefert ist, von denen heute noch ca. 350.000 bis 400.000 einzelne Aufnahmen erhalten sind. Der grösste Teilbestand davon, rund 300.000 Motive, befindet sich als Hoffmann Collection in den National Archives der USA in College Park, Maryland (NARA). In Deutschland stellt wiederum das Fotoarchiv Hoffmann der Bayerischen Staatsbibliothek München (BSB) mit ca. 70.000 einzelnen Motiven den grössten geschlossenen Bestand dar. Dieser setzt sich zusammen aus dem ehemaligen Bildarchiv von Hoffmanns Sohn sowie einem erhaltenen Restbestand aus der einstigen Wiener Filiale des Unternehmens.

Sebastian Peters geht zuerst ausführlich auf die Quellenlage und die vorliegende Literatur ein. Seine Biografie gliedert sich danach in drei Teile. Der erste Teil beschreibt die Herkunft und Ausbildung von Heinrich Hoffmann, die Geschichte seiner zunehmenden Annäherung an die NSDAP und an Hitler, die bis 1933 in seinem vollumfänglichen Engagement zugunsten der »Bewegung« aufgehen sollte. Zunächst werden darin Hoffmanns Herkunft und seine berufliche Ausbildung rekonstruiert, gefolgt von seiner Tätigkeit bis zum Ende des Ersten Weltkriegs.

Laut Sebastian Peters ist die anschliessende Zeit der Münchner Revolution und ihrer Niederschlagung wichtig, weil Heinrich Hoffmann in Folge dieser Ereignisse erstmals als völkischer Bild-publizist hervortritt. Die Verbindungen in völkische Kreise liefern eine wichtige Erklärungsgrundlage für Hoffmanns Weg hin zu Hitler.

Mit dem Parteieitritt 1920 richtet sich der Fokus auf Hoffmanns Engagement in der NSDAP, der er sich laut dem Biografen sowohl als Fotograf als auch in der Parteiorganisation andiente. Diese Phase der Annäherung erstreckte sich bis etwa 1928. Danach stand der Fotograf fast vollständig im Dienst der Partei.

Sebastian Peters erläutert, dass er die Zeitspanne bis Ende 1932 anhand von drei verschiedenen Perspektiven untersucht: Erstens anhand von Hoffmanns Auftreten als Parteivertreter in den Parlamenten und in der Öffentlichkeit; zweitens anhand seiner Vernetzung und seiner Position in Hitlers innerem Kreis; und drittens anhand einer dichten Analyse von Hoffmanns publizistischen Beiträgen im Multiwahljahr 1932, die eine Bestandsaufnahme seiner Rolle als wichtigster Bildlieferant der Partei kurz vor der Machtübernahme ermöglichen.

Auf diesen ersten Teil seiner Biografie, die sich Hoffmanns zunehmendem Engagement und seiner immer enger werdende Vernetzung in der NSDAP widmet, welche die Grundlage für seine Karriere nach 1933 bildeten, folgt ein zweiter Teil, der mit zwölf Jahren den chronologisch kürzesten, aber inhaltlich dichtesten Teil der Arbeit umfasst, so der Autor.

Sebastian Peters schildert die Unternehmensgeschichte von Hoffmanns gleichnamigen Bild- und Presseverlag, die enge personelle und organisatorische Verflechtung mit den Institutionen von Partei und Staat, den prominenten Vertreter seines Berufsstands und weithin bekannten Begleiter Hitlers, seine Rolle als Teil des abgeschotteten inneren Kreises um Hitler, als Teil von dessen »Hofstaat«. Daneben widmet sich der Historiker Hoffmanns Wirken im Bereich der bildenden Kunst. Zuerst war er Hitlers inoffizieller Kunstberater. Bis Mitte der 1930er Jahre konnte seine Einflusssphäre auf die staatliche Kulturpolitik erweitern, so Sebastian Peters, der zudem Hoffmanns eigene Kunstsammlung und seine Verstrickung in den nationalsozialistischen Kunstraub analysiert. Seine Verstrickung in die NS-Verbrechen und die Entwicklung seiner Unternehmen von 1938 bis 1945 folgen in weiteren Kapiteln. Im Zuge der nationalsozialistischen Annexionspolitik und des Zweiten Weltkriegs gelang es seiner Firma, ein Filialnetzwerk zu erreichten, das zuletzt von Paris bis Riga reichte. Abschliessend unterzieht der Historiker Hoffmanns eigenes Narrativ vom allmählichen Rückzug und der bis Kriegsende zunehmenden Entfremdung von Hitler einer kritischen Prüfung.

Der dritte Teil der Biografie befasst sich mit dem Leben des einstigen Leibfotografen Hitlers nach der deutschen Niederlage. Die juristische wie moralische Schuld Heinrich Hoffmanns, der Umgang der amerikanischen Besatzer mit ihm, der Prozess und die öffentliche, teils publizistische Auseinandersetzung mit ihm stehen im Zentrum. Neben Ausführungen zu seiner Verhaftung, Verurteilung und Internierung kommen solche zu Rechtsstreitigkeiten, seinen Bemühungen, seinen beschlagnahmten Besitz wiederzuerlangen, sowie zu seinen Anstrengungen, die Deutungsmacht über seine Biografie zurückzuerlangen. Laut Sebastian Peters war Heinrich Hoffmann mit seinen juristischen und publizistischen Strategien teilweise erfolgreich, teilweise scheiterte er. Seine Memoiren und ihre Wirkungsgeschichte analysiert der Autor ebenso wie das Nachleben von Hoffmanns Bildwerk.

In seinen Memoiren, die er 1954 mit Hilfe des Journalisten Joe Heydecker veröffentlichte, schrieb Heinrich Hoffmann: »Der Fotograf bildet ab, er hält fest, sonst nichts. Und er verschwindet auch symbolisch unter dem schwarzen Tuch, das ihn verhüllt.« Sebastian Peters merkt dazu in seinem Fazit an, dass Heinrich Hoffmann ein früher und überzeugter Nationalsozialist, Antisemit, ein ebenso versierter wie engagierter Propagandist, Bewunderer und Vertrauter Hitlers sowie aktiver Profiteur der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft war. Zudem blieb er bis in den Tod unbelehrbar. Die Legende vom unpolitischen Künstler-Freund des toten Diktators ist nicht haltbar.

Die lesenswerte, auf einer umfangreichen Dissertation beruhende Biografie von Sebastian Peters: Hitlers Fotograf Heinrich Hoffmann. Eine Biografie. Wallstein Verlag, 2025, 624 Seiten mit 77 Abbildungen, gebunden, Schutzumschlag, 15,5 x 23 cm. ISBN 978-3-8353-5828-7. Cookies akzeptieren – wir erhalten eine Kommission bei unverändertem Preis – und die Biografie bestellen bei Amazon.de.

Zitate und Teilzitate in dieser Rezension/Buchkritik von Hitlers Fotograf Heinrich Hoffmann. Eine Biografie sind der besseren Lesbarkeit wegen nicht zwischen Anführungs- und Schlusszeichen gesetzt.

Rezension/Buchkritik von Hitlers Fotograf Heinrich Hoffmann. Eine Biografie vom 6. Februar 2026. Hinzugefügt um 13:28 deutscher Zeit.