Einmal abgesehen davon, dass die Vereinigten Staaten von Amerika aus ehemals europäischen Kolonien hervorgingen, haben die USA nach ihrer Unabhängigkeitserklärung von 1776 wiederholt Territorien erobert bzw. zugekauft sowie mehrfach versucht, Grönland zu erwerben. Diese Idee stammt also nicht vom in vielerlei Hinsicht dubiosen Donald Trump.
Vor allem im 19. Jahrhundert erweiterten sich die USA kontinierlich von den ehemals 13 Kolonien an der Ostküste hin zu einer territorialen und wirtschaftlichen Grossmacht, die weite Teile Nordamerikas von der Ost- bis zur Westküste umfasst. Die sogenannten Indianerkriege gehören in diese Expansionsphase.
Spanier, Franzosen, Holländer und Engländer eroberten und kolonisierten Gebiete, die heute Teil der USA sind. Nach der Unabhängigkeit kauften die USA 1803 (Treaty of Guadalupe Hidalgo) für damalige $15 Millionen das Territorium des heutigen Bundesstaates Louisiana von der Ersten Französischen Republik.
Mit der Monroe-Doktrin von 1823 forderte der damalige Präsident James Monroe eine Ende der europäischen Kolonialbestrebungen in Nord-, Zentral- und Südamerika, wobei er gleichzeitig US-Interventionen bei Nichtbeachtung dieser Grundsätze durch Europäer ankündigte. Gleichzeitig stipulierte er die Nichteinmischung der USA in europäische Konflikte.
1845 annektieren die USA das mexikanische Texas. Nach dem Mexikanisch-Amerikanischen Krieg von 1846-48 musste Mexiko rund 55% seines Territoriums (1,36 Millionen Quadratkilometer) an die USA abgeben, darunter die Territorien der heutigen Bundesstaaten Kalifornien, Nevada und Utah, den grössten Teil von Arizona, Colorado und New Mexiko sowie einen kleinen Teil von Wyoming. Daneben musste Mexiko den Rio Grande als Südgrenze von Texas akzeptieren. Im Gegenzug bezahlte die US-Regierung Mexiko damalige $15 Millionen, womit unter anderem auch Schulden der mexikanischen Regierung gegenüber US-Bürgern gedeckt waren. Die Mexikaner der gekauften bzw. eroberten Territorien konnten wählen, nach Mexiko überzusiedeln oder Bürger der USA, mit allen Rechten, zu werden.
1854 erwarben die Vereinigten Staaten von Mexiko für damalige $10 Millionen nochmals Territorien, die heute Teil der US-Bundesstaaten Arizona und New Mexico sind (englisch: Gadsden Purchase/spanisch: Venta de La Mesilla) .
1867 kauften die USA vom Russischen Kaiserreich für damalige $7,2 Millionen das Territorium des heutigen Bundesstaates Alaska mit seinen rund 1,6 Millionen Quadratkilometern. Alaska wurde erst 1959 ein US-Staat.
1898 annektieren die USA das (ehemalige) Königreich Hawaii, das ebenfalls erst 1959 ein US-Bundesstaat wurde.
1898, nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg, wurden Guam, Kuba, die Philippinen und Puerto Rico (vorübergehend) amerikanische Kolonien, wobei Puerto Rico bis heute ein sogenanntes Aussengebiet der USA ist, ohne ein US-Bundesstaat zu sein.
1917 kauften die Vereinigten Staaten Dänisch-Westindien (englisch: Danish West Indies; dänisch: Dansk Vestindien bzw. Danske Jomfruøer), die heutigen Amerikanischen Jungferninseln (United States Virgin Islands), womit wir bei den Dänen und den USA angekommen wären. Bereits erstmals 1868 — der US-Kongress sprach sich dagegen aus — und erneut 1902 hatten die Vereinigten Staaten versucht, Dänisch-Westindien zu kaufen.
Grönland ist heute ein autonomes, d.h. selbstverwaltes Gebiet des Königreiches Dänemark, mit einem eigenen Premierminister. Das bereits vor rund 2500 Jahren besiedelte Gebiet ist bereits seit dem Jahr 986 mit Dänemark und Norwegen verbunden; Dänemark musste 1814 im Kieler Frieden Norwegen an Schweden abtreten.
Grönland wurde allmählich, über Jahrhunderte hinweg, von Dänemark kolonisiert, wobei das Königreich Dänemark erst 1921 seine Oberhoheit über Grönland erklärte, wobei Norwegen dagegen Einwände hatte. Der Ständige Internationale Gerichtshof in Den Haag entschied 1933, dass ganz Grönland zu Dänemark gehört.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Dänemark 1940 von Nazi-Deutschland besetzt und von Grönland abgeschnitten. Der dänische Gesandte in den USA nahm 1941 daher keine Befehle mehr von Kopenhagen an und genehmigte den Bau von US-Militärbasen auf Grönland, die im Zweiten Weltkrieg für US-Flugzeuge zum Auftanken strategisch bedeutsam waren. Heute sind die USA die einzige Macht, die auf Grönland eine Militärbasis (Pituffik; bis 2023 Thule Air Base genannt) unterhalten. Heute sind dort noch rund 150 US-Amerikaner stationiert. Im Kalten Krieg waren es bis zu 10,000 Mann.
Bereits 1868 versuchten die USA, Grönland und Island für damalige $5,5 Millionen in Gold von Dänemark zu erwerben, wobei am Ende Aussenminister William H. Seward den Dänen kein Angebot unterbreitete. Laut Historikern lag dies wohl daran, weil der oben erwähnte Vertrag zum Kauf der Danish West Indies keine Mehrheit im US-Kongress gefunden hatte.
1910 diskutierte die US-Regierung intern erneut über den Kauf Grönlands. Einige „bedeutende“ Dänen hatten scheinbar dem US-Botschafter in Dänemark vorgeschlagen, die in US-Besitz stehenden philippinischen Inseln Mindanao und Palawan gegen Grönland und Dänisch-Westindien zu tauschen, was es danach Dänemark erlaubt hätte, Mindanao und Palawan mit den Deutschen gegen einen Teil von Jütland an der deutsch-dänischen Grenze zu tauschen.
1946 offerierte die Regierung Truman den Dänen heimlich damalige $100 Millionen in Gold für den Erwerb Grönlands. Die Dänen lehnten ab, konnten sich jedoch nicht bezüglich des Abzugs der US-Truppen aus Grönland durchsetzen. 1951 unterzeichneten die zwei Regierungen das Greenland Defense Agreement, laut dem die USA weitere Militärbasen in Grönland errichten durften, solange der NATO-Vertrag in Kraft bleibt; die NATO ist 1949 gegründet worden. Die im Kalten Krieg bedeutende Thule Air Base wurde 1953 gebaut.
1955 schlugen die Joint Chiefs of Staff Präsident Eisenhower erneut den Kauf Grönlands vor, doch das Aussenministerium lehnte den Vorschlag der US-Militärführer ab. Es kam nie zu einem Angebot.
1976 schlug Gerald Fords Vizepräsident Nelson Rockefeller (privat) erneut vor, Grönland zu erwerben, wobei er als Kaufgrund auf die Rohstoffe der Insel verwies.
In seiner ersten Amtszeit sagte Präsident Trump erstmals 2019, dass er Grönland kaufen möchte. In seiner zweiten Amtszeit hat er diesen Anspruch mehrfach wiederholt, wobei er manchmal von einem Kauf, manchmal von anderen Mitteln des Erwerbs sprach, also eine (gewaltsame) Annexion nicht ausschloss. Bereits vor Amtsantritt, am 22. Dezember 2024, liess Donald Trump verlauten: “For purposes of National Security and Freedom throughout the World, the United States of America feels that the ownership and control of Greenland is an absolute necessity.”
Grönland ist ein Teil Dänemarks und der NATO. Grönland wird heute von China und Russland nicht bedroht. Allerdings stimmt es, dass China die Arktis seit 2017 als Teil der chinesischen globalen Strategie zur Sicherung der Verkehrsinfrastruktur betrachtet. Putin ist in der Arktis aktiv und versucht, Russlands Kontrolle auszuweiten.
Trump will Grönland aus strategischen Gründen. Die einzige Militärbasis auf der Insel betreiben die USA. Sie dient unter anderem der Warnung vor einem Angriff mit ballistischen Raketen. Sie kann als „Flugzeugträger“ dienen. Sollte die Region im Sommer wegen der globalen Erwärmung eisfrei werden, würde sie für den maritimen Handel wichtig werden. Die USA wollen die Gewässer der strategisch wichtigen Region kontrollieren. Trump interessiert sich zudem für die Rohstoffe Grönlands. Neben Öl und Gas sind auf der Insel 37 von 50 Mineralien zu finden, welche die USA als strategisch wichtig einstufen. Allerdings liegen die Rohstoffe weitgehend unter dicken Eisschichten. Der Abbau wäre schwierig und teuer, solange die globale Erwärmung nicht den Zugang erleichtert. Der Insel fehlt zudem die nötige Infrastruktur.
Die Beziehung zwischen den heute 57,000 Grönländern und den ehemaligen dänischen Kolonialherren ist belastet. Dazu gehört, das Dänemark auf Grönland gut 130 Jahre lang das für die Aluminiumherstellung wichtige Kryolith über das Staatsunternehmen Danish Cryolite Company abgebaut hat. Laut dem Dokumentarfilm Grönlands weisses Gold verdiente Dänemark daran geschätzte €53 Milliarden, wovon die Grönlander nichts hatten. Hinzu kommt, dass die Dänen in den 1960er Jahren die Geburtenrate in Grönland als zu hoch ansahen und 4000 Frauen und Mädchen ab 12 Jahren die Spirale einsetzten, wobei nicht alle über die gesundheitlichen Folgen aufgeklärt wurden, manchen Mädchen wurde nicht einmal gesagt, was mit ihnen geschah.
Viele Grönländer träumen von der Unabhängigkeit. Nach einem Referendum 2009, das vom dänischen Parlament genehmigt wurde, erlaubt es dieser Self-Government Act, dass die Insel unabhängig werden könnte. Heute ist dies finanziell noch nicht möglich, da das Budget Grönlands zu 54% von Dänemark und der Europäischen Union bestritten wird.
Die USA agitieren in der zweiten Amtszeit Trumps so stark gegen den treuen NATO-Partner Dänemark, auch mit verdeckten Operationen, dass sich Briten, Deutsche, Franzosen, Italiener, Polen, Spanier und Dänen am 6. Januar 2026 genötigt sahen, eine gemeinsame Stellungnahme zu veröffentlichen, in der festhielten, allein Dänemark und Grönland würden über Angelegenheiten entscheiden, die Dänemark und Grönland betreffen. Sie unterstrichen zudem die Bedeutung der “Souveränität, territorialen Integrität und Unverletzlichkeit der Grenzen” Grönlands. Die New York Times merkte dazu zurecht an, dass es sich um jene Prinzipien handelt, auf die sich die NATO im Zusammenhang mit der Verteidigung der Ukraine gegen die russische Aggression beruft.
Die Grönländer möchten zwar langfristig unabhängig werden, doch nicht von den USA gekauft oder annektiert werden. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Verian im Auftrag der grönländischen Zeitung Sermitsiaq und der dänischen Zeitung Berlingske wünschten sich Ende Januar 2025 lediglich 6% der Grönländer einen Anschluss an die USA, 9% waren unentschlossen und die überwältigende Mehrheit von 85% sprach sich dagegen aus. Rund 45% der Grönländer sahen Trumps Interesse an Grönland als Bedrohung, rund 43% als Chance, um die 13% waren unentschlossen. Die Umfrage beruhte auf der Befragung von 497 über 18jährigen Grönländern. Die Fehlermarge wurde mit 1,9% bis 4,4% angegeben.
Dass Trump sich tatsächlich Grönland gegen den Willen der Einheimischen einverleiben wird, scheint zur Zeit unwahrscheinlich, doch wir leben in verrückten Zeiten. Der US-Präsident hat gedroht, sich den Panama-Kanal zurückzuholen, der zwar einst von den USA gebaut, doch vertraglich längst an Panama abgetreten wurde. Drohungen an Kanada — als möglichen 51. Staat der USA — hat der US-Präsident wiederholt ausgestossen. Seine Vorliebe für Diktatoren wie Putin und Illiberale wie Orban, der Ungarns Demokratie stark beschädigt hat, ist bekannt. In den USA wollte Trump die faire und freie Wahl von Joe Biden nicht anerkennen und im Amt bleiben.
In Venezuela griff Trump nicht etwa ein, um die Demokratie wieder herzustellen, sondern um die Kontrolle über die weltweit grössten Erdölverkommen zu erlangen; US-Konzerne waren einst in Venezuela enteignet und nie dafür entschädigt worden. Den Diktatur Maduro konnte Trump zwar in einer spektakulären Aktion in die USA holen, wo er vor Gericht gestellt wird, doch mit Maduros ehemaliger Vizepräsidentin Delcy Rodríguez als neuer Machthaberin scheint er sich nun arrangieren zu wollen.
Die Midterms im November 2026 sind eine enorm wichtige Wegmarke für die Zukunft der USA. Die Demokraten müssen die Trump-Republikaner schwächen, damit der von Jasagern umgebene Möchtegern-Autokrat die amerikanische Demokratie — und damit die Freie Welt insgesamt — nicht weiter unterminieren kann.
Die Geschichte aller oben erwähnten Territorien, Kolonien, Kriege, etc. ist natürlich noch viel komplizierter als hier dargestellt. Sie füllt ganze Bücherregale. Ein Fakt sticht hervor: Trump ist nicht der erste US-Präsident, der Grönland bzw. andere Territorien kaufen, erobern bzw. annektieren möchte.
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NASA-Satellitenfoto von Grönland aus dem Jahr 2005. Public domain photograph, NASA, via Wikipedia.
Artikel vom 15. Januar 2026 um 13:34 deutscher Zeit. Korrektur am 21. Januar 2026: Die Midterms finden im November 2026 statt, nicht 2027.