Die AfD wird 2026 stärkste Partei in Mecklenburg-Vorpommern, doch Manuela Schwesig dürfte Ministerpräsidentin bleiben

Sep. 21, 2026 at 18:38 218

Am 20. September 2026 gingen bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 78,1% der rund 1,3 Millionen Wähler an die Urnen. Die Alternative für Deutschland unter dem innerhalb der AfD als gemässigt geltenden Spitzenkandidaten Leif-Erik Holm (*1970 in Schwerin) wird laut dem vorläufigen Ergebnis mit 38,2% (+21,5 Prozentpunkte!) die stärkste Partei. Die AfD ist insofern der klare Wahlsieger, als sie ihren prozentualen Wähleranteil mehr als verdoppeln konnte – und alle anderen Parteien Federn lassen mussten. Mit neu 32 (+18!) von insgesamt 71 Sitzen im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern reicht es der von rechtsextremen Elementen unterwanderten Partei dennoch bei weitem nicht, eine Mehrheit zu erringen.

Die seit 2017 regierende Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (*1974 in Frankfurt an der Oder) von der SPD verliert mit ihrer Partei zwar 4,1 Prozentpunkte und kommt neu nur noch auf 35,5% und neu 22 Sitze (-5), doch dürfte sie wohl weiterhin im Amt bleiben, da es neben der AfD und der SPD nur noch zwei weitere Parteien in den Landtag geschafft haben, die beide wie die SPD keinesfalls mit der AfD zusammenarbeiten wollen: Linke und Grüne.

Rot-Rot wurde abgewählt, doch SPD, Linke und Grüne gewinnen zusammen 39 von 71 Mandaten im Landtag, was zu einer komfortablen Regierungsmehrheit reichen würde. Die Linke verlierte 3,4 Prozentpunkte und kommt neu auf 6,5%. Das bedeutet für sie nur noch 5 Sitze im Landtag (-4). Die Grünen verlieren nur 0,6% Prozentpunkte. Mit 5,7% und unverändert 5 Sitzen kommen sie mit einem blauen Auge davon.

Die grosse Wahlverlierin im Land wie im Bund sind die CDU und Bundeskanzler Merz. Dieser trat denn ungewöhnlicherweise gleich um 18 Uhr – noch vor der ersten Hochrechnung – vor die Kameras, um die „frohe Botschaft“ zu verkünden, dass er weiterhin CDU-Chef und Kanzler bleibe, natürlich um möglichen Umstürzlern zuvor zu kommen. Doch die Union wird von schwachen Männern geführt. Da drängelt sich niemand vor. Die Aufgabe gleicht ohnehin einem Himmelfahrtskommando: Reformen müssen erst noch kommen, Trump bietet keine Rückendeckung, sondern schiesst quer mit seiner erratischen Zollpolitik und seiner schwachen Unterstützung im Krieg gegen die Ukraine, den er vor allem als Aufgabe der Europäer sieht – und er ohnehin mit seinem „Freund“ Putin „Deals“ abschliessen möchte.

Bei der Wahl zum Landtag in Mecklenburg-Vorpommern vom 20. September 2026 holt die CDU nur noch erbärmliche 4,9% (-8,4 Prozentpunkte!) und fliegt damit zum ersten Mal seit der Wende aus einem Landtag raus, da sie unter der Fünfprozenthürde blieb. Bei der ersten Landtagswahl 1990 nach der Wiedervereinigung kamen die Christdemokraten als stärkste Partei auf 38,3%. Mit Alfred Gomolka (1942-2020) stellte die CDU denn auch den ersten Ministerpräsidenten des neu gegründeten Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern. Er regierte zusammen mit der FDP. Lange ist es her. 2026 kam die FDP mit 1% (-4,8 Prozentpunkte) nicht mehr in den Landtag in Schwerin.

2026 hat die Landes-CDU das Pech, dass mit dem Christdemokraten Friedrich Merz der unbeliebteste Bundeskanzler der Geschichte im Amt ist. Dies hat er nach nur einem Jahr im Amt geschafft. Nicht die AfD hat er wie vor seiner Wahl gross verkündet halbiert, sondern er hat die CDU in Umfragen und Wahlen in Bund und Ländern zum Teil mehr als halbiert (so in Sachsen-Anhalt) bzw. der AfD teilweise zu mehr als einer Verdoppelung ihrer Stimmen bzw. Mandate verholfen.

Eine Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen konstatierte, dass nur 1% aller Wähler in Mecklenburg-Vorpommern der Meinung sind, Friedrich Merz sei für die Stabilität der Bundesregierung hilfreich. 80% sagten, Merz schade der Stabilität. Unter den CDU-Wählern sieht es für den christdemokratischen Kanzler nicht wirklich besser aus. Ebenfalls nur 1% der CDU-Wähler in Mecklenburg-Vorpommern sind der Meinung, Merz trage zur Stabilität der Bundesregierung bei, 70% der CDU-Wähler meinten, der Kanzler schade der Stabilität der Regierung.

Bundesweit sind die Umfragewerte für den Kanzler mit 8% bzw. 9% in den einstelligen Bereich gerutscht. Er zieht die bereits erbärmlich dastehende CDU (um die 20%-Zustimmung in Umfragen bundesweit) noch weiter in den Keller.

Das Umfrageinstitut infratest dimap brachte in Zusammenhang mit der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern in Erfahrung, dass sich dort 28% aller Nicht-CDU-Wähler vorstellen könnten, die CDU zu wählen, wenn Friedrich Merz NICHT Kanzler wäre. Unter den SPD-Wählern sagten dies sogar 40%, was auch daran lag, dass ein Teil der CDU-Wähler von den Christdemokraten zu den Sozialdemokraten wanderte, um so einen Erfolg der AfD zu verhindern. Laut infratest dimap wanderten 32,000 Wähler von der CDU zur AfD. Allerdings wanderten zudem 48,000 Wähler von der SPD zur AfD, von der FDP 16,000, von der Linken 9,000. Vor allem gelang es der Alternative für Deutschland, immerhin 66,000 Nichtwähler zur Urne zu bewegen.

Nebenbei erwähnt schaffte es das in Mecklenburg-Vorpommern erstmals antretende BSW mit 4,8% knapp nicht in den Landtag. Die sonstigen Parteien kamen insgesamt auf 3,3% (-5,0 Prozentpunkte).

Erstaunlicherweise wurde in den Dikussionsrunden im TV sowie in Kommentaren in Zeitungen und online so gut wie nie thematisiert, dass Manuela Schwesig einst die sogenannte Stiftung Klima- und Umweltschutz MV unterstützt hatte, deren Ziele in Wahrheit weder im Schutz des Klimas noch der Umwelt lagen, sondern deren vorrangiges Ziel der Fertigbau der Gaspipeline Nord Stream 2 war. Putins Projekt sollte natürlich der Ukraine schaden sowie Deutschland weiterhin in der Abhängigkeit von günstigem russischen Gas halten. Die Nord Stream AG wird (oder wurde) vom russischen Erdöl-, Erdgas- und Satellitenunternehmen Gazprom kontrolliert, das zwar als Aktiengesellschaft firmiert, jedoch vom Staat – das heisst von Putin – kontrolliert wird. Manuela Schwesig half über die landeseigene Stiftung Klima- und Umweltschutz MV der Diktatur Russland, Sanktionen der USA zu umgehen. Dass die Ministerpräsidentin diesen Skandal überlebte, ist für sich ein Skandal, der heute scheinbar kaum jemanden interessiert, da heute Manuela Schwesig als Bollwerk gegen die AfD gelobt wird.

In Kommentaren wurde hingegen – zurecht – darauf hingewiesen, dass die Ministerpräsidentin Plakate unter dem Titel „DIE FRAU GEGEN BLAU“ kleben liess, auf der abgesehen von der Farbe Rot kein Hinweis auf die SPD zu sehen war. Wie bei den Christdemokraten, so zieht auch bei den Sozialdemokraten der Hinweis auf die Bundes-SPD lokale oder regionale Kandidaten runter. Mit Politikern aus der Bundesregierung will fast niemand mehr Wahlkampf machen. Manuel Schwesig lud lieber den Schlagersänger Roland Kaiser ein, um mit ihr und für sie zu werben. Im September 2025 lag die SPD in einer Umfrage noch bei 19%, die AfD bei 38%. Insofern war Manuela Schwesig erfolgreich. Könnte der Wähler die Ministerpräsidentin direkt wählen, käme Manuela Schwesig auf 62%. Nur 29% würden sich für ihren Herausforderer Leif-Erik Holm von der AfD entscheiden. Bei einer Umfrage von infratest dimap gaben zudem 49% der Befragten an, ohne Manuela Schwesig als Spitzenkandidatin würden sie nicht die SPD wählen.

Nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern sagte die AfD-Co-Vorsitzende Alice Weidel im ZDF am Wahlabend nicht nur, die AfD habe die CDU als Volkspartei verdrängt, der Wähler möchte Mitte-Rechts haben, der Wähler wolle endlich einen politischen Wechsel, sondern auch: „Wir brauchen wieder fossile Energieträger.“ Auf die Nachfrage bzw. Präzision der Moderatorin „russisches Gas“, sagte Alice Weidel: „Natürlich! Das war unser Geschäftsmodell seit Jahrzehnten. Darum brauchen wir einen Friedensvertrag.“ Sie sagte zudem: „Wir müssen zurück zur Kernkraft.“

Manuela Schwesig lag also einst wie die AfD oder der CDU-Ministerpräsident Michael Kretschmer im Nord Stream 2 befürwortenden Lager, das Putin und seinen Krieg gegen die Ukraine seit 2014 verharmlost. Frau Schwesig ist inzwischen in das die Ukraine unterstützende Lager gewechselt. Bereits im Februar 2022, bei Putins direkter, offener Attacke im Donbass, twitterte sie: „Die russische Regierung hat internationales Recht gebrochen.“ Ende März und im April 2022 räumte sie ein, ihr Festhalten an Nord Stream 2 sei ein Fehler gewesen.

Noch ein Wort zur Sicht der AfD-Wähler auf die eigene Partei. Laut der Umfrage vom Wahltag von infratest dimap sind 85% der AfD-Wähler in Mecklenburg-Vorpommern der Meinung, es gebe zwar einzelne rechtsradikale Politiker, aber insgesamt stehe die AfD eher in der Mitte. Unter den CDU-Wählern sehen dies nur 18% so, bei den SPD-Wählern 14%, bei den Linke-Wählern 10% und bei den Grünen-Wählern 0%.

Der AfD-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern: Leif-Erik Holm (*1970 in Schwerin). Foto Copyright © Superbass / CC-BY-SA-4.0, via Wikimedia Commons.

Artikel vom 21. September 2021. Hinzugefügt um 18:38 deutscher Zeit.