Bei der Landtagswahl vom 6. September 2026 wird die AfD klar die stärkste Partei in Sachsen-Anhalt. Dies ist nicht zuletzt auf den jungen AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund (*1990) zurückzuführen, der das moderate Gesicht einer radikalen Partei darstellt, die sich nicht zum rechten Rand abgrenzt, sondern im Gegenteil von der extremen Rechten unterwandert ist.
Laut dem von der Landeswahlleiterin publik gemachten vorläufigen Ergebnis kommt die AfD in Sachsen-Anhalt neu auf 43,8%, was ein Plus von 23 Prozentpunkten im Vergleich zu 2021 bedeutet, als die AfD mit 24,3% und 30 Sitzen im damaligen Landtag mit 87 Sitzen hinter der CDU die zweitstärkste Partei wurde. Im neuen Landtag mit 83 Sitzen kommt die AfD 2026 nun auf 39 Sitze, was lediglich ein Plus von 16 Sitzen bedeutet, obwohl die Partei ihr Resultat – das beste ihrer Geschichte – mehr als verdoppelte. Es reicht also nicht für die absolute Mehrheit.
Der nun abgewählte Ministerpräsident Sven Schulze von der CDU fährt für die Christdemokraten mit 17,2% und einem Minus von 19,9 Prozentpunkten und nur noch 15 Sitzen (-25 Sitze!) das schlechteste Ergebnis für die Christdemokraten seit der Wende ein. Sven Schulze konnte in der kurzen Zeit als Regierungschef keine Akzente setzen und sich anders als sein Vorgänger Reiner Haseloff keine Popularität erarbeiten. Hinzu kam der Gegenwind aus dem Bund, wo Kanzler Friedrich Merz ausser einer von Experten gelobten Rentenreform nicht viel vorzuweisen hat. Massnahmen in den Bereichen Staatsquote, Steuern, Staatsschulden, Arbeitslosigkeit, Bürokratieabbau, Digitalisierung, Taurus für die Ukraine und vieles mehr findet der Beobachter kaum oder gar nicht. Der Christdemokrat ohne Exekutiverfahrung ist leider – wie zu erwarten war – eine Fehlbesetzung.
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident und CDU-Vorsitzender Sven Schulze, der erstmals bei einer Landtagswahl als Direktkandidat antrat, verlor im Wahlkreis Magdeburg III gegen den AfD-Kandidaten Christian Mertens mit 31,7% zu 35,2%. Die CDU gewann im ganzen Land kein einziges Direktmandat. Der AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, holte im Wahlkreis Genthin hingegen mit 49,0% klar vor Thomas Staudt von der CDU, der lediglich auf erbärmliche 24,0% kam, das angestrebte Direktmandat.
Die SPD konnte bei der Landtagswahl 2026 mit 9,3% und einem unerwarteten Plus von 0,9% Prozentpunkten leicht zulegen, obwohl sie im Bund keine gute Figur macht. Allerdings war bereits das Wahlresultat von 2021 für die Sozialdemokraten erbärmlich. Die einst stolze Volkspartei bleibt im einstelligen Bereich. Laut dem vorläufigen Resultat verliert die SPD dennoch 1 Sitz und kommt neu nur noch auf 8 Mandate.
Die oppositionelle Linke kann von der Schwäche der Regierung im Bund und im Land nicht profitieren. Mit 8,6% verliert sie 2,4 Prozentpunkte und kommt neu wie die SPD nur noch auf 8 Sitze, ein Minus von 4 Sitzen! Die Grünen hingegen können mit 8,9% und einem Plus von 3 Prozentpunkten deutlich zulegen. Neu kommen die Grünen wie die SPD und die Linke auf 8 Sitze, was ein Plus von 2 Mandaten bedeutet.
Die Liberalen, die 2021 den Wiedereinzug in den Landtag schafften und auch zuletzt noch unter Sven Schulze Teil der Regierungskoalition in Sachsen-Anhalt waren, fallen 2026 mit einem Minus von 3,8 Prozentpunkten und neu 2,6% erneut aus dem Landtag raus. Der neue FDP-Bundesparteichef Wolfgang Kubicki, der 2010 gegenüber der Zeit sagte, in Berlin würde er zum Trinker werden, vielleicht auch zum Hurenbock, konnte mit seinen „flotten“ Sprüchen den Liberalen keinen Rückenwind geben.
Das BSW hingegen, das vor wenigen Tagen durch Turbulenzen in Thüringen negativ aufgefallen war, konnte dank 5,3% beim erstmaligen Antritt in Sachsen-Anhalt 5 Sitze erobern. Dies war wichtig, um die AfD von der absoluten Mehrheit der Mandate fernzuhalten.
Die sonstigen Parteien konnten keine Sitze gewinnen und kamen insgesamt auf 4,3%, ein bemerkenswertes Minus von 6,0 Prozentpunkten. Die AfD ist nicht nur die Siegerin bei der Mobilisierung der früheren eigenen Wähler, sondern konnte bei der Wählerwanderung von den anderen Parteien profitieren sowie frühere Nichtwähler mobilisieren. Laut einer Umfrage von infratest dimap wanderten von der CDU 83,000 Wähler zur AfD. Bei den Nichtwählern fand die AfD sogar 170,000 Menschen, die ihr die Stimme gaben. Dies waren bei weitem die zwei wichtigsten, entscheidenden Wähler- bzw. Nichtwählerwanderungen. Die Rekordwahlbeteiligung 2026 von 78,1% ist vor allem ein Erfolg der Mobilisierung durch die Alternative für Deutschland. 2021 gingen nur 60,3% der Wähler an die Urne. Am tiefsten Punkt lag die Wahlbeteiligung 2006 mit 44,4%, Im bisherigen Rekordjahr 1998 gingen immerhin 71,5% der Wähler an die Urne.
Laut einer Umfrage von infratest dimap vom 6. September 2026 waren die soziale Sicherheit mit 25%, der Frieden in Europa mit 17%, die Wirtschaft mit 15%, die innere Sicherheit mit 13%, Bildung und Schule mit ebenfalls 13%, die Zuwanderung mit nur 9% sowie Umwelt und Klima mit 6% die wichtigsten Wahlthemen.
Laut infratest dimap siegt bei den Parteikompetenzen die AfD über die CDU. 40% der Wähler sehen bei der Kriminalitätsbekämpfung die AfD als kompetenteste Partei, klar vor der CDU mit 23%. Bei der Asyl- und Flüchtlingspolitik – die oben erwähnt allerdings nicht wahlentscheidend war – liegt die AfD bei 38%, die CDU bei 16%. Bei der Vertretung der ostdeutschen Interessen steht die AfD laut den Wählern bei 36%, die CDU nur bei 13%. Selbst beim Thema Wirtschaft liegt die AfD mit 30% vor der CDU mit 28%. Bei den Arbeitsplätzen vertrauen 29% der AfD, nur 25 der CDU. Beim Thema Energieversorgung setzen 30% auf die AfD, nur 21% auf die CDU, beim Thema soziale Gerechtigkeit 29% auf die AfD, nur 12% auf die CDU. Bei der Bildungspolitik sehen 29% die AfD vorne, nur 18% die CDU. Bei der Friedenssicherung setzen 29% auf die AfD, nur 18% auf die CDU. Trotz der 2026 auf Bundesebene verabschiedeten Rentenreform setzen selbst bei der Altersversorgung 27% der Wähler in Sachsen-Anhalt auf die AfD, nur 16% auf die CDU. Bei der Umwelt- und Klimapolitik vertrauen 19% der AfD, nur 10% der CDU.
Mit anderen Worten: Die Christdemokraten müssen sich auf allen Politikfeldern anstrengen, glaubwürdige Lösungen durchsetzen, wollen sie der AfD in Sachsen-Anhalt und anderswo in Deutschland das Wasser wieder abgraben. Bundeskanzler Merz trifft schwere Schuld. Was er im Wahlkampf gesagt hat, und was er nach der Wahl umgesetzt hat, sind völlig unterschiedliche Dinge. Zuerst tönte er gross: „Links ist vorbei.“ Nach der Wahl schwenkte er auf eine Schuldenpolitik um, indem er von „Sondervermögen“ schwadronierte, wo es sich doch nur um Neuschulden handelt. Seine grossen Worte und sein schneidiges Auftreten kontrastieren hart mit seinen Taten, seinen Leistungen. Einst sagten seine Gegner: „Ein Merz macht noch keinen Frühling.“ So ist es leider bisher gekommen. Friedrich Merz hat das fast Unmögliche in nur einem Jahr geschafft: Er ist noch unbeliebter als sein unfähiger Vorgänger Olaf Scholz.
Parteien verbieten, grosse Ankündigungen und Versprechungen machen, all das hilft nicht gegen die AfD. Bei seinem Antritt als CDU-Parteichef wollte Merz noch die AfD halbieren. Durch seine fehlende bzw. verfehlte Politik macht er sie täglich stärker.
Die AfD ist keine seriöse Alternative. Sie ist rechts unterwandert, geriert sich wie die SPD, die Linke und das BSW als „Friedenspartei“, fährt einen Putin-Schmusekurs, positioniert sich gegen die Ukraine, träumt immer mal wieder vom Austritt aus der Europäischen Union („Union der Vaterländer“, Dexit) und der Rückkehr zur D-Mark (Euroraum als „Transferunion“).
Die Menschen sind in Deutschland unzufrieden, weil die Politik zu wenig Probleme ernsthaft angeht. Vereinfachte Weltsichten und Pseudo-„Lösungen“ sind keine ernsthafte Alternative. Viel Wind machen, forsch auftreten, aber (fast) nichts tun, allerdings auch nicht. Merz muss weg – oder die CDU verliert weiter Stimmen. Allerdings drängt sich bis jetzt kein seriöser Politiker als glaubwürdiger Nachfolger auf.

Foto des AfD-Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt Ulrich Siegmund (*1990). Photo Copyright: Wikipedia-User RoyZuoMedia. Creative-Commons-Lizenz 4.0.
Artikel vom 7. September 2026. Hinzugefügt um 07:26 Schweizer Zeit.